Wachsamkeit

Der Gedanke der fortwährenden Wachsamkeit spielt in der Anklageschrift zum Rajk-Prozess eine wichtige Rolle. Der Wachsamkeit sei es zu verdanken, dass der ungarische Staat die Verschwörung innerhalb der Parteihierarchie sowie die Verbindungen zum Ausland, speziell zu den Vereinigten Staaten, aufgedeckt habe. Die „Trotzkisten“ seien eine rein negierende, zerstörerische Gruppierung, deren Standpunkt in der „[…] Widerlegung und Unterwühlung alles dessen bestand, was im Interesse der revolutionären Arbeiterbewegung lag.“(1) Es wird eine klare Abspaltung der „Verräter“ zum sozialistischen Volk vorgenommen. Die Feinde des Kommunismus seien beständig bemüht, den Staat anzugreifen und ihn durch die verderblichen Einflüsse von Kapitalismus und Faschismus zugrunde zu richten. Daher leitet sich die Notwendigkeit zur steten Wachsamkeit ab.

So wird eine allgegenwärtige Atmosphäre der Angst und Verdächtigungen erzeugt. Das benachbarte Jugoslawien und dessen Regierung werden aufgrund ihrer Politik des Ausgleichs als Verschwörer mit westlichen Geheimdiensten inszeniert. Rajks Text für den Gerichtsprozess soll das Bild eines größtenteils infiltrierten Jugoslawiens erzeugen: „[…] daß nicht nur die schon in Frankreich organisierten Jugoslawen, sondern auch mehrere Mitglieder der jugoslawischen Regierungskreise, den Ministerpräsidenten Tito und auch Innenminister Rankowitsch inbegriffen, mit den Amerikanern in enger Verbindung standen.“(2) Tito, als Staatsoberhaupt und Kopf der vermeintlichen Verschwörung, ist der, wenn auch nicht anwesende, Hauptangeklagte: „[…] Tito habe in Belgrad mit amerikanischen und englischen Beauftragten verhandelt und sich mit ihnen darauf geeinigt, daß sie ihm im sowjetfeindlichen Kampfe der Titoregierung beistehen würden. Sie versprachen Tito nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische und sogar militärische Hilfe.“(3)

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