Karikaturen

Die für Propagandazwecke vereinnahmte Satirezeitung Ludas Matyi („Gänsemathias“, nach einer in Ungarn beliebten Schelmenfigur) erreichte schon in den ersten Jahren nach ihrer Neugründung 1945 eine Auflagenstärke von 200.000 Exemplaren.(1) Dank ihrer Reichweite und Beliebtheit eignete sie sich als mediales Begleitinstrument zum Rajk-Prozess.

Verglichen mit der Kampagne gegen Mindszenty setzten sich die Karikaturisten des Ludas Matyi mit dem Rajk-Prozess eher ernsthaft auseinander. Es finden sich nur wenige Darstellungen, die Rajk als lächerliche Figur präsentieren. Eine wichtigere Rolle spielt dagegen die Arbeiterschaft. Nicht karikierend, im Stile des Sozialistischen Realismus gezeichnet, bringen Arbeiter wiederholt ihre Wut über die „Verschwörer“ zum Ausdruck. Sie kanalisieren ihre Empörung in gesteigerte Produktivität – als vorbildhafte angemessene Reaktion auf den Prozess.

In zwei inhaltlichen Punkten weisen die Karikatur-Kampagnen zu den beiden großen Schauprozessen Gemeinsamkeiten auf: Die Verbindungen Mindszentys und Rajks zu westlichen Unterstützern und Drahtziehern werden ebenso betont wie die Zerstörung und das Chaos, das dem Land durch sie drohte.

In dem der konservativen Partei der Kleinlandwirte nahe stehenden Satireblatt Szabad Száj („Freies Maul“), das von 1946 bis 1951 erschien, wird der Prozess gegen László Rajk weitgehend ignoriert. Bevorzugte Zielscheibe des Spottes ist Tito – ausgabenübergreifend wird der jugoslawische Staatschef im Spätsommer 1949 als Faschist und Handlanger der Imperialisten karikiert.

Auch die Parteizeitung Szabad Nép druckte ab Anfang September praktisch täglich Karikaturen über Tito und seine vermeintlichen Verbindungen zum imperialistischen Westen, personifiziert in Churchill und „Samu bácsi“ („Onkel Sam“).

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