Geteilte Meinungen in Frankreich

Der Fall Rajk wurde in Frankreich sehr unterschiedlich rezipiert. Die linksliberale Le Monde, die mit Serge Karsky einen Pressevertreter vor Ort hatte, kritisierte bereits im Vorfeld die Glaubwürdigkeit des Prozesses und führte an, dass das Gerichtsverfahren in Ungarn niemanden interessiere. Einige würden sogar an eine Inszenierung glauben. Die kommunistische L´Humanité hielt dagegen, dass der Prozess Ausdruck des ungarischen Volkswillens sei und stellte den Verrat Rajks und die Verwicklung westlicher Geheimdienste sowie Jugoslawiens als Tatsache hin. François Lescure, einer der Korrespondenten der L´Humanité, schrieb zum Ende des Prozesses, dass das ungarische Volk eine Woche lang vor Wut die Fäuste geballt habe.(1)

Die Journalisten der L´Humanité beharrten auf der Legitimität des Prozesses: Sie betonten in ihren Artikeln, dass der Prozess vor der Weltöffentlichkeit stattfinde und jeder unverfälscht hören könne, was gesagt werde.(2) Karsky dagegen deutete die „wie maschinell vorgetragenen“ Geständnisse sowie den zügigen und reibungslosen Ablauf des Prozesses als Indizien für eine Inszenierung. Der Journalist bezeichnete die im Prozess aufgestellte Behauptung einer Verschwörung mit Tito und westlichen Geheimdiensten als „abenteuerlich“.(3)

Bezüglich des Gesundheitszustands der Angeklagten waren sich jedoch die Korrespondenten beider Zeitungen einig, dass keine Anzeichen von Folter oder anderer Beeinflussung erkennbar seien. „[…] absolut nichts untermauert die These, dass sich das Gebaren der Angeklagten durch den Einsatz von Drogen, Hypnose oder ähnlicher Verfahren erklären ließe“ schrieb Karsky.(4)

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