Der Gerichtssaal

Dem Vorbild der Moskauer Schauprozesse der 1930er Jahre folgend, fand die Verhandlung nicht in einem gewöhnlichen Gerichtssaal statt. Rákosi wählte als Schauplatz des Prozesses gegen Rajk und seine Mitangeklagten den großen Ehrensaal im Stammsitz der Eisen- und Metallarbeitergewerkschaft in der Budapester Magdolnastraße. Das Gewerkschaftshaus galt als „Tempel der ungarischen Arbeiter“.(1)

Der Richtertisch stand an der südlichen Front des Saals, der zur damaligen Zeit noch über keine Bühne verfügte. In klassischer Anordnung waren seitlich der Richter die Verteidiger und der Volksanwalt platziert. Die publizierten Prozessfotos entstanden aus einer Position links neben dem Richtertisch.

Das Publikum saß in der zur Straße hin gelegenen nördlichen Hälfte des Saals. Dort befindet sich auch die Empore. Auf der östlichen Seite sind Einlasstüren. Von dieser Seite gelangten auch die Angeklagten in den Saal. Über dem Einlassbereich befindet sich eine Galerie mit drei Logen, die den Inszenatoren als ‚Regieraum’ diente. An der gegenüberliegenden Westseite verläuft eine große Fensterfront, die Fenster sind mit Glasmalereien verziert.

Die acht Angeklagten saßen auf einer lang gezogenen, von den Zuschauerplätzen um einige Meter abgesetzten ersten Stuhlreihe, mit Blick auf den Richtertisch. Zwischen den Angeklagten und an beiden Enden saß jeweils ein uniformierter und bewaffneter Staatsschutzmann. Während der Vernehmung mussten die Angeklagten, mit dem Rücken zum Publikum, an ein mittig zwischen Richtertisch und Angeklagtenreihe positioniertes Mikrofon treten.

Zum Prozess wurden mehrere Dutzend internationale Korrespondenten aus 14 Ländern zugelassen. Die einheimischen Journalisten waren handverlesen. Der Saal bot etwa 300 Zuschauern Platz. Neben den Journalisten bestand auch das Publikum aus sorgsam ausgewählten Personen, vorwiegend parteitreue Arbeiter und Bauern. Hinzu kamen Staatsschutzleute und ausländische Diplomaten.(2) In einem Nebenraum unterhalb der Logen war ein erlesenes kaltes Buffet angerichtet, an dem sich die Juristen, die Angeklagten und ihre Wächter in den Verhandlungspausen gemeinsam stärkten.(3)

O_PlatzhalterDas Gebäude

O_PlatzhalterDer Saal I

O_PlatzhalterDer Saal II

O_PlatzhalterDer Saal III

Die Kommentare wurden geschlossen