Das Prozessbuch

Das Buch zum Rajk-Prozess, bestehend aus Anklageschrift, Verhandlungsprotokoll und Urteil, wurde noch im September 1949 zeitnah zur Verhandlung in Budapest auf Ungarisch veröffentlicht.(1) Zudem ist die Publikation von Übersetzungen in mindestens elf weiteren Sprachen – etwa auf Russisch und Polnisch, aber auch auf Deutsch, Französisch und Englisch – belegt.(2) Der intendierte Rezipientenkreis umfasste somit nicht nur Ungarn und die benachbarten Staaten, sondern auch eine westliche Leserschaft.

Das Prozessbuch ist die einzige verbliebene Quelle, die das Verfahren gegen Rajk umfassend wiedergibt. Zur Einordnung des Buches sowie wissenschaftlicher Untersuchungen auf dessen Basis ist es unerlässlich, dieses als Teil der Inszenierung und der Medienkampagne um den Rajk-Prozess zu bewerten. Dabei sind sowohl der Drehbuchcharakter von Anklageschrift und Prozesstext, als auch die durch einen der Angeklagten unterstellte Überarbeitung und Skriptierung vor der Veröffentlichung zu beachten.(3)

Die Publikation im unmittelbaren Anschluss an den Rajk-Prozess erfüllte verschiedene Funktionen. Eine Kernfunktion war es, den Prozess zu medialisieren, zu inszenieren und einem breiten Adressatenkreis zugänglich zu machen. Diesem Muster entsprechend lassen sich auch die angestrebten Wirkungsweisen unterscheiden. Die Suggestion und die Lenkung von Wut in der eigenen Bevölkerung, deren Identifikation mit dem Staat und der Sowjetunion sowie die Ausschaltung und Diffamierung möglicher Kritiker sind einige der intendierten Reaktionen auf nationaler Ebene. Hinzu kommen die – auch auf internationalem Niveau beabsichtigte – Diskreditierung der Angeklagten und angeblicher Obskuranten sowie die Implikation divergenter Staatenblöcke: mit der Sowjetunion in einer defensiven und den USA in einer offensiven, geradezu aggressiven Position.

Brankov über den ProzessBrankov über den Prozess

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