Westliche Rezeption: BRD, GB, USA

Der Prozess gegen den früheren Außenminister László Rajk fand in der westdeutschen Presse durchaus Beachtung und wurde unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung rezipiert, auch wenn keine eigenen Korrespondenten vor Ort waren. Die SZ ging zunächst auf den Vorwurf ein, dass Rajk gemeinsam mit dem ungarischen General György Pálffy geplant habe, die volksdemokratische Regierung zu stürzen, um selber Posten innerhalb des Staatsapparates übernehmen zu können. Anschließend wurde berichtet, dass der “Monstre-Prozeß”(1) sich nicht gegen die Angeklagten selber richte, sondern die westlichen Staaten und den jugoslawischen Regierungschef Tito bloßstellen sollte. Die WAZ lieferte mehr Fakten über den Prozess sowie Informationen über Rajks Vergangenheit und seine angebliche Tätigkeit als Spion für den US-Geheimdienst und die Gestapo. Die WAZ informierte zudem über die Berichterstattung in der ungarischen Presse, die Tito als wahren Drahtzieher und Hauptschuldigen der angeblichen Verschwörung darstellte. Auch schildert der Artikel die empörten Reaktionen der jugoslawischen Regierung auf diese Vorwürfe.(2)

In der amerikanischen und britischen Presse wurde der Prozess sehr stark als Inszenierung wahrgenommen. Vor allem das Fehlen einer Jury und die zurückhaltenden Verteidiger erschien den Journalisten undenkbar für Gerichtsverfahren in westlichen Ländern.(3) Auch die Geständnisse in allen Anklagepunkten empfanden die Korrespondenten als ungewöhnlich.(4) Die Angeklagten wären voller Eifer in ihren Tod gerannt.(5) In einigen Berichten wurde auf die ungarische Presse verwiesen, die die Angeklagten schon vor dem Prozess für schuldig befand.(6) Häufig wurden auch die Reaktionen aus Jugoslawien erwähnt, in denen von Lügen, Vorurteilen und einer Hexenjagd die Rede war.(7) Zudem wurden Reaktionen von angeblich involvierten westlichen Offiziellen veröffentlicht, die entgegen der Anklage, keinen oder kaum Kontakt mit Rajk hatten.(8)

The TimesThe Times

WAZ
WAZ

Die Kommentare wurden geschlossen