Vorbereitung des Prozesses

Die Katholische Kirche besaß bis 1944 großen politischen Einfluss in Ungarn. Der Erzbischof von Esztergom war als Fürstprimas dritthöchster Repräsentant des Landes. Durch die Bodenreform von 1945 und die spätere Verstaatlichung der Schulen verlor die Kirche an Besitz und gesellschaftlichem Gewicht. József Mindszenty, den Papst Pius XII. im September 1945 zum neuen Erzbischof von Esztergom ernannt hatte, stemmte sich öffentlich gegen diese Entwicklung. Er genoss hohes Ansehen in der Bevölkerung und geriet als kompromissloser Gegner des Sozialismus zunehmend in Konflikte mit der Kommunistischen Partei unter Mátyás Rákosi.(1)

Im September 1948 rief der Parteiideologe József Révai zum Kampf gegen den „Mindszentyismus“ auf. Eine mediale Hetzkampagne sollte den Kardinal aus seinem Amt oder ins Exil treiben – doch dieser blieb standhaft. Rákosi entschloss sich daraufhin, seinen letzten ernsthaften Widersacher durch einen fingierten Prozess aus dem Weg zu räumen: Am Abend des 26. Dezember 1948 nahm der Staatsschutz Kardinal Mindszenty in seinem Amtssitz in Esztergom fest.(2)

Für den Prozess wurden drei angebliche Straffälle kombiniert: Der engere „Fall Mindszenty“, die Devisensache um Fürst Pál Esterházy und der Spionagevorwurf gegen die Priester Miklós Nagy und Béla Ispánki. Das Tableau der Angeklagten war sorgsam komponiert: Die Rollenverteilung umfasste politische und Wirtschaftsverbrecher, Spione und klerikale Reaktionäre. Mindszenty vereinte diese Zuschreibungen als oberster Drahtzieher in einer Person.

Als Finanzier der „Verschwörung“ galt Fürst Esterházy, zum intellektuellen Lenker war der Universitätsprofessor Jusztin Baranyai auserkoren. Mindszentys Sekretär András Zakar fungierte als ausführender Arm. Nagy und Ispánki repräsentierten kirchliche Institutionen (die Actio Catholica und das Szent-Imre-Kollegium in Budapest) und verfügten über die notwendigen Auslandsbeziehungen: Nagy hatte im Vatikan gelernt, Ispánki dort auch promoviert – in Rom sollten sie in Kontakt mit westlichen Geheimdiensten gekommen sein. Vervollständigt wurde das Arrangement durch den Journalisten László Tóth als Vertreter der klerikal-reaktionären Publizistik.(3)

Eine unmittelbare Einflussnahme Moskaus auf die Verhaftung Mindszentys und das Drehbuch zum Prozess ist unklar. Entgegen der verbreiteten Forschungsmeinung, sowjetische Berater hätten erst am Schauprozess gegen László Rajk mitgewirkt, belegt ein interner Bericht des Innenministeriums, dass sowjetische Geheimpolizisten schon seit 1945 als beratende Verbindungsleute für die politische Polizei im Lande tätig waren.(4)

Das GeständnisDas Geständnis

1. Mai 19471. Mai 1947

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