Die westliche Öffentlichkeit

Der Schauprozess gegen Kardinal József Mindszenty war in erster Linie innenpolitisch motiviert. Das Haupt der ungarischen Katholischen Kirche war das letzte Hindernis, das der Etablierung der Macht Mátyás Rákosis im Weg stand. Seine aktive Gegnerschaft zur sowjetisch geprägten Volksdemokratie war nicht erfunden. Das Bemühen der ungarischen Regierung, Mindszentys Ausschaltung durch einen scheinbar legitimen Prozess zu erreichen, sollte das internationale Aufsehen möglichst gering halten.

Doch das Gegenteil war der Fall: Die weltweite Resonanz auf die Verhaftung und Verurteilung des Kardinals war gewaltig. Das Bestreben der Initiatoren, dem Prozess einen rechtsstaatlichen Anschein zu verleihen, lief ins Leere, da der gesamte Vorgang die Rezeption im Westen polarisierte. Jenseits pro- und antikommunistischer Betrachtung blieb wenig Raum für abwägende Positionen. Insofern unterlag auch die öffentliche Meinung im Westen ideologischen Gesichtspunkten.

Ein Großteil der westlichen Öffentlichkeit misstraute Nachrichten aus den Volksdemokratien: Informationen durch offizielle Organe wurden als manipuliert oder gefälscht eingeschätzt, und es wurde angenommen, dass die Berichterstattung eingeschränkt oder zensiert war. Befeuert wurde dieses Urteil durch subjektive oder tendenziöse Schilderungen geflohener Systemgegner.(1)

Die Verhaftung Mindszentys und der anschließende Prozess trugen zur antikommunistischen Stimmung im Westen bei. Aufgrund seiner Haltung avancierte der Fürstprimas zur Symbolfigur des Widerstands. László Feketekúty sieht 1962 den Fall Mindszenty als ein einschneidendes Ereignis für die Entfremdung der konkurrierenden politischen Systeme und die Blockbildung im Kalten Krieg an.(2) Margit Balogh relativiert aus heutiger Sicht, dass der Mindszenty-Prozess „nur ein Symptom dieser Situation, aber nicht ihr Auslöser“ war.(3)

Die AuslandskorrespondentenDie Auslandskorrespondenten

Journalisten und BeweismittelJournalisten und Beweismittel

Mindszenty vor GerichtMindszenty vor Gericht

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