Karikaturen

Mit einem Aufruf zum Kampf gegen den „Mindszentyismus“ im September 1948 fokussierte sich die laufende antiklerikale Medienkampagne der ungarischen Regierung auf die Diskreditierung Kardinal Mindszentys.(1) Zunächst befeuerten aggressive Anschuldigungen die öffentliche Diskussion. Nach Verhaftung und Anklage des Erzbischofs bestimmten dann tägliche „Enthüllungen“ die Schlagzeilen der Tagespresse.

Mindszenty sollte auch in den Augen der ausländischen Öffentlichkeit denunziert werden. Dabei maß die Inszenierung der scheinbaren Rechtmäßigkeit des Prozesses hohe Priorität bei. Neben der Offenlegung angeblicher „Beweise“ im Gelbbuch wurde im Vorfeld der Hauptverhandlung eine freie Berichterstattung zugesichert. Tatsächlich waren aber ausländische Journalisten, die sich zuvor kritisch geäußert hatten, ebenso wenig zur Verhandlung zugelassen wie ausländische Vertreter der Kirchen. Die 35 akkreditierten Auslandskorrespondenten galten in den Augen westlicher Kritiker als voreingenommene Sympathisanten der kommunistischen Machthaber, die sich durch verschiedene Annehmlichkeiten – freigebige exquisite Bewirtung, Konzertabende und anderes – bestechen ließen.(2)

Neben der Tagespresse berichtete das ungarische Radio, das den gesamten Prozess live auf Tonband mitschnitt, in abendlichen Sendungen („Tonbilder“) über die Ereignisse am Verhandlungstag. Die Bilddokumentation erfolgte durch zwei Fotografen des Staatsschutzes; allen sonstigen Anwesenden waren Foto-, Film- oder Tonaufnahmen streng untersagt.(3)

Vorrangiges innenpolitisches Ziel des Prozesses wie der medialen Begleitkampagne war die völlige Diffamierung und Demontage Mindszentys. Dies spiegelt sich in den Karikaturen der auflagenstarken Satirezeitung Ludas Matyi [Gänsemathias] Die Zeichner beschäftigen sich – anders als während der Kampagne zum späteren Rajk-Prozess – zentral mit der Person des Hauptangeklagten: Mindszenty wird wahlweise dämonisiert oder verspottet, er wird bevorzugt als lächerliche, anachronistische Gestalt verunglimpft, als Krieg bringender Restaurator der Habsburger Monarchie. Seine imperialistischen Verbindungen werden betont, die konservative Rückständigkeit der katholischen Kirche wird generalisiert.

Der KriegstreiberDer Kriegstreiber

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