Die Beweismittel

Im Prozess gegen Kardinal Mindszenty wurden vor allem Briefe und Dokumente als Beweismittel präsentiert. Nicht alle lassen sich so eindeutig interpretieren, wie der vorsitzende Richter und der Volksanwalt dies während der Verhandlung darzustellen versuchten. Ebenso darf der Kontext, in dem ein Teil der Dokumente und Briefe entstanden ist, nicht unberücksichtigt bleiben. Rákosi verlangte nach Beweisen, die den Hauptangeklagten eindeutig belasten sollten. Nachdem die Staatssicherheit kein belastendes Material finden konnte, wurde Mindszenty gezwungen, nachträglich solche Dokumente abzufassen. Des Weiteren bekam der Ermittlungsbeamte József Jámbor den Auftrag, das Vertrauen Mindszentys zu gewinnen und zusammen mit ihm einen Fluchtplan zu schmieden. Unter dem Einfluss Jámbors soll Mindszenty zwei Briefe an den US-Botschafter Chapin geschrieben haben. Dieser hatte ihm bereits im November 1948 seine Hilfe zur Flucht angeboten.(1)

Ein größerer Teil der belastenden und fabrizierten Dokumente entstammte der spektakulär aufgefundenen „Metallhülse“, die von András Zakar, Sekretär des Fürstprimas, im Keller des erzbischöflichen Palais in Esztergom vergraben worden war. Zakar war zuvor über eine bevorstehende Hausdurchsuchung informiert worden und hatte in Absprache mit Mindszenty vermeintlich belastendes Material verstecken wollen. Die Information stammte jedoch von einem Mittelsmann der Staatssicherheit, die das Versteck schnell enttarnen konnte.(2) Die so aufgefundenen Dokumente konnten im Prozess als belastender und bedrohlicher dargestellt werden, als sie es tatsächlich waren.

Keine Beachtung fanden dagegen Beweismittel, die Mindszenty entlastet hätten. Zoltán Csáky, ein 1948 emigrierter Vertrauter Mindszentys, schrieb am 5. Februar 1949 einen Brief an den ungarischen Justizminister. Diesem Brief legte er Dokumente bei, die Mindszenty und auch die anderen Angeklagten von ihrer angeblichen Schuld hätten freisprechen können.(3)

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Der FluchtplanDer Fluchtplan

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