Der Gerichtssaal

Die Verhandlung gegen Kardinal Mindszenty und seine Mitangeklagten fand im prunkvollen Schwurgerichtssaal des Budapester Justizpalastes in der Markó-Straße statt. An den Prozesstagen galten massive Sicherheitsvorkehrungen, die Straße wurde zum Teil abgeriegelt.

Der Staatsschutz (Államvédelmi Hatóság, ÁVH) fertigte einen Grundriss des Gerichtssaals an und legte die Sitzordnung – auch der Zuschauer – fest. Die Einlasslisten der ÁVH wurden mehrfach überarbeitet. Zwar war die Verhandlung offiziell öffentlich, es durfte aber nur ausgewähltes Publikum in den Saal, das dennoch repräsentativ erscheinen sollte.(1) Weder Vertreter der Kirche noch der britische Beobachter und der US-amerikanische Gesandte Selden Chapin erhielten Einlass.(2)

Der Aufbau des Gerichtssaals folgt einer typischen Anordnung: Vor der nördlichen Fensterfront verläuft das Richterpodium. Unterhalb dessen sitzt der Gerichtsschreiber an einem kleinen Tisch. Hinter dem Richtertisch befinden sich schalldichte Kabinen: In der linken Kabine saßen drei Simultandolmetscher, in der rechten der Radiokommentator. Zur Linken der Richter befinden sich die Plätze der Verteidiger, diesen gegenüber saßen im Prozess der Führungsstab der ÁVH und die Vertreter der Anklage.

Die sieben Angeklagten saßen auf der ersten Bank gegenüber dem Richterpodium. An den Verhandlungstagen wurden sie rasiert und in feine Anzüge gekleidet – man sollte ihnen Folter und Haftstrapazen nicht ansehen. Kardinal Mindszenty musste eine schwarze Soutane anlegen, um seine öffentliche Funktion in Erinnerung zu rufen.

Hinter den Beschuldigten nahmen 14 Gefängniswärter Platz. Die dritte Sitzreihe belegten Staatsschutzleute. Unmittelbar dahinter folgt der abgetrennte Publikumsbereich mit insgesamt 80 Plätzen, dessen Sitzreihen steil ansteigen. Hier fanden in den ersten zwei Reihen die 25 zugelassenen Auslandskorrespondenten ihre Plätze. Im Publikum saßen wenige enge Angehörige der Angeklagten neben ÁVH-Leuten und einigen Offizieren des sowjetischen NKVD. Zwei ÁVH-Fotografen dokumentierten das Geschehen.(3) Im Saal befanden sich zudem 14 ungarische Pressevertreter und fünf Radio-Mitarbeiter.(4)

O_PlatzhalterDas Gebäude

O_PlatzhalterDer Saal

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