Das Gelbbuch

Trotz des Bemühens der Verantwortlichen, die Inhaftierung des Fürstprimas und den sich anbahnenden Prozess als rechtsstaatlich erscheinen zu lassen, rief der Vorgang weltweit empörte Proteste und massiven Widerstand hervor, was auch die Öffentlichkeit in Ungarn wahrnahm. Dies setzte die Regierung unter Druck. Sie sah sich genötigt, die „Beweismittel“ in Buchform zu veröffentlichen, um die Verschwörungsvorwürfe zu rechtfertigen – obwohl die vorzeitige Publikation von Beweismitteln aus einem laufenden Verfahren einen klaren Rechtsbruch darstellt.

Am 19. Januar 1949, zwei Wochen vor Beginn der Hauptverhandlung, erschienen die belastenden Schriftstücke, Geständnisse und Fotos unter dem Titel Die Dokumente der Mindszenty-Strafsache zeitgleich in ungarischer, deutscher, englischer und französischer Sprache.(1)

Die deutsche Ausgabe des – aufgrund seiner Einbandfarbe so bezeichneten – Gelbbuchs umfasste 86 Seiten. Die Publikation diente auch der Diskreditierung des US-amerikanischen Gesandten in Budapest, Selden Chapin. Das dokumentierte Material präsentierte ihn als aktiven Mitverschwörer Mindszentys gegen die junge ungarische Demokratie. Auf diese Weise wurde Chapin die Amtsausübung unmöglich gemacht. Seine Regierung zog ihn aber dennoch nicht ab.(2)

Die Herausgabe des Gelbbuchs erwies sich als zweischneidiges Schwert. Als Teil der Kampagne sollten die publizierten „Beweismittel“ die mediale Vorverurteilung Mindszentys untermauern. Zugleich bot die illegitime vorzeitige Veröffentlichung des Materials aber westlichen Kritikern eine neue Angriffsfläche: Sie konnten die vermeintlichen Belege schon vor Prozessbeginn prüfen und ablehnend kommentieren und somit den internationalen Druck auf die ungarische Regierung noch erhöhen. Die Einleitung zur Publikation des Prozessprotokolls – des so genannten Schwarzbuchs – ist wiederum eine Replik auf diese westlichen Reaktionen.

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