Der Prozess József Mindszenty

Am 3. Februar 1949 begann der dreitägige Schauprozess gegen József Kardinal Mindszenty – Fürstprimas von Ungarn – und seine sechs Mitangeklagten. Die Verhandlung fand vor dem Sondersenat des Volksgerichts im Hauptstädtischen Gerichtshof in der Budapester Markó-Straße statt. Die Vorwürfe lauteten: organisierte Planung eines Staatsstreichs, fortgesetzter Hochverrat und illegaler Devisenhandel. Das Urteil wurde am 8. Februar vom vorsitzenden Richter Vilmos Olti gesprochen: Es lautete für Mindszenty auf lebenslange Haft. Ebenso wurde sein gesamtes Vermögen konfisziert und er verlor sein Amt.

Ende 1948 war eine Liste mit den Namen von zwölf Verhafteten veröffentlicht worden, die im Zusammenhang mit dem geplanten Prozess gegen Mindszenty eine Rolle spielen sollten. In Untersuchungshaft saßen noch neun weitere Personen, die nicht namentlich auf der Liste erwähnt wurden. Alle standen in irgendeiner Beziehung zu Mindszenty und der katholischen Kirche. Die Staatssicherheitsbehörde empfahl, aus diesem Kreis sechs bis neun Personen auszuwählen und als Mitangeklagte vor Gericht zu stellen. Die übrigen wurden später als Zeugen geladen.(1)

Die ungarische Regierung verfolgte mit dem Prozess gegen Mindszenty verschiedene Ziele: Ausschluss der katholischen Kirche aus dem öffentlichen Leben und ihre gesellschaftliche Isolierung, Warnung an den ungarischen und osteuropäischen Klerus insgesamt. Der Prozess sollte zeigen, dass sich niemand vor der kommunistischen Macht schützen kann. Durch die häufige Betonung, dass sich das Strafverfahren nur gegen einen „straffälligen hohen Geistlichen“ richte, wurde die Spaltung der ungarischen Kirche angestrebt. Ein weiteres Ziel war, die Verbindung des Vatikans mit dem imperialistischen Feind, in Gestalt der USA, aufzuzeigen: Dieses Bündnis gefährde das friedliche Leben in den kommunistischen Staaten.(2)

Name
Position
Anklagepunkte
Urteil (Hauptstrafen)
József Kardinal Mindszenty Erzbischof von Esztergom, Fürstprimas von Ungarn organisierte Planung eines Staatsstreichs, Hochverrat, illegaler Devisenhandel lebenslange Haft, Konfiszierung des gesamten Vermögens, Amtsverlust
Dr. Jusztin Baranyai Universitätsprofessor für Kirchenrecht in Budapest organisierte Planung eines Staatsstreichs 15 Jahre Haft
Dr. András Zakar Sekretär Kardinal Mindszentys organisierte Planung eines Staatsstreichs, Hochverrat 6 Jahre Haft
Fürst Pál Esterházy bis 1946 reichster Großgrundbesitzer in Ungarn organisierte Planung eines Staatsstreichs, illegaler Devisenhandel 15 Jahre Haft
Miklós Nagy Sekretär der Actio Catholica Hochverrat, illegaler Devisenhandel 3 Jahre Haft
Dr. Béla Ispánky Kollegiumspräfekt Hochverrat, illegaler Devisenhandel lebenslange Haft
Dr. László Tóth bis 1944 Chefredakteur der klerikal-legitimistischen Nationalzeitung Hochverrat 10 Jahre Haft
PlatzhalterJószef Kardinal Mindszenty

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