Ungarn

1945 beendete die siegreiche Rote Armee die monatelange blutige Herrschaft der faschistischen Pfeilkreuzler in Ungarn, die die deutsche Besatzung etabliert hatte. Mit den sowjetischen Truppen war auch das Ende der Jahrhunderte überdauernden monarchischen Staatsform gekommen. Die erste demokratische Parlamentswahl im November 1945 gewann die klerikal-konservative Partei der Kleinlandwirte mit absoluter Mehrheit. Unter alliierter Aufsicht wurde aber eine Vier-Parteien-Regierung gebildet, in der auf Betreiben Moskaus Politiker der Kommunistischen Partei zentrale Ministerposten einnahmen.

Es gelang, das Land ökonomisch zu stabilisieren. Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags im Februar 1947 vernachlässigten die westlichen Alliierten ihren Einfluss auf Budapest. Die schrittweise Sowjetisierung des Landes nahm ihren Lauf: eine radikale Bodenreform (1945), die Verstaatlichung von Großindustrie und Schulen (bis 1948), die Ausschaltung politischer Gegner und die Entmachtung der Kirchen waren Eckpunkte der von Mátyás Rákosi, dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei Ungarns (seit Juni 1948: Partei der Ungarischen Werktätigen, MDP), so bezeichneten „Salamitaktik“.(1)

Vor diesem Hintergrund beschäftigten 1949 zwei Aufsehen erregende Schauprozesse die ungarische wie auch die weltweite Öffentlichkeit: Die inszenierten Gerichtsverfahren gegen den Fürstprimas von Ungarn, József Kardinal Mindszenty, und den ehemaligen Innenminister László Rajk, ein Führungsmitglied der MDP, dienten der Etablierung und Zementierung der stalinistischen Herrschaft unter Mátyás Rákosi.

PlathalterJózsef Kardinal Mindszenty

PlatzhalterLászló Rajk

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