Kritik im Westen

Beim Slánský-Prozess wurden keine westlichen Beobachter zugelassen, lediglich die sozialistische L´Humanité entsandte einen Journalisten. Trotzdem berichtete die Westpresse über das Verfahren, vor allem kritisierten deutsche, US-amerikanische und britische Medien die antisemitischen Aspekte.

Westdeutsche und anglo-amerikanische Presse unterstellen Antisemitismus

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung berichteten ausführlich über den Prozess. Besonders die Artikel zu Beginn und gegen Ende des Prozesses aufschlussreich: Es wurde häufig über den Prozess berichtet und dabei regelmäßig der Begriff “Schauprozess” verwendet. Zudem wurde wiederholt von “Geständnissen” im Verfahren gesprochen. Des Weiteren liegen Berichte über einen internen Machtkampf, verstanden als „Cliquenkampf“ verschiedener kommunistischer Interessengruppen, in Ungarn vor. Ein starker Akzent wird auf die deutlich wahrnehmbare antisemitische Tendenz gelegt sowie den diesbezüglichen Protests Israels.(1)

In der amerikanischen und britischen Presse stand vor allem die jüdische Herkunft der Angeklagten im Fokus. Dabei wurde der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei ein genereller „Antizionismus“ vorgeworfen. In der Times gab es tägliche Berichte, die sich auf tschechoslowakische Radioberichte bezogen.(2) Aufgrund der ehemals führenden Position Slánskýs wurden als Gründe für den Prozess eine Rivalität zwischen ihm und Klement Gottwald oder Druck aus Moskau wegen zu schlechter Produktionsraten vermutet. Zudem wurde das Vorgehen mit den Moskauer Prozessen der 30er Jahre verglichen. Es wurde davon ausgegangen, dass die Aussagen der Angeklagten inszeniert waren.(3) Die New York Times bezeichnete den Prozess als eine „Tragikkomödie“.(4)

Geteilte Rezeption in Frankreich

Der französische L´Humanité-Korrespondent Pierre Hentgès beschrieb den Angeklagten Slánský als „Monster“, „unmenschlich“ und als einen Anwärter zum Diktator. Die Vorwürfe des Rassismus und Antisemitismus wies er zurück und stellte klar, dass die Angeklagten die Rassisten seien.(5) Die Berichterstattung der Le Monde kritisierte weniger den antisemitischen Aspekt; sie stellte vielmehr die Glaubwürdigkeit des Prozesses in Frage. So wurde etwa ein Artikel der Reaktion Konni Zilliacus´, einem Politiker der britischen Labour Party, gewidmet, der in Lachen ausgebrochen sein soll, als er von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen gehört hat.(6)

L'HumanitéL’Humanité

Le MondeLe Monde

TimesThe Times

The Times IIThe Times II

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