Antisemitismus als Teil der Inszenierung

Ersetzt man im Protokoll die Bezeichnung „Zionist“ gegen „Jude“, lesen sich die Darstellungen offen antisemitisch. Auch wenn die Bezeichnungen vorgeblich nicht synonym verwendet werden, schafft die betonte „jüdische Abstammung“ von elf der 14 Angeklagten und die weitere Zuschreibung des Begriffs „Zionismus“ diese Verknüpfung. Vorwürfe, dass sie sich als „Schädlinge“ in die Partei einschlichen, um das „tschechoslowakische Volk zu zersetzen“, seinen Besitz „verschacherten“ und selbst „Wuchergewinne“ erzielten, bedürfen keiner konkreten Wiederholung der „jüdischen Abstammung“, um antisemitische Assoziationen hervorzurufen.(1)

Auch wenn die Konstruktion der Verschwörung vorgeblich keinen Antisemitismus beabsichtigt, sondern auf den „Zionismus“ als antagonistische Klasse abzielt, wird die soziale Determination der Angeklagten durch ihre ethnische Zugehörigkeit begründet. Die Zuweisungen von Charaktereigenschaften und Handlungen an die Angeklagten „jüdischer Abstammung“ knüpfen an tradierte antisemitische Denkstrukturen an.(2)

Die „Verräter“ auf der Anklagebank werden als „Kosmopoliten“ und „Zionisten“ verurteilt und als solche mit allen feindlichen Eigenschaften versehen. Gleichzeitig wird die Gefahr betont, dass sie in der Lage seien, sich in eine anti-antisemitische Gesellschaft einzuschleichen. Folgerichtig müsste das tschechoslowakische Volk allen Juden gegenüber misstrauisch sein. Nicht zufällig entstand während des Prozesses eine antisemitische Hetzstimmung in der ČSR. Der Prozess wurde von Teilen der Bevölkerung, unter anderem denjenigen die sich eben von der Semantik und den Folgen betroffen fühlten, als antisemitisch wahrgenommen.(3)

Jüdische AbstammungJüdische Abstammung

Antizionismus als Camouflage?Antizionismus als Camouflage?

schachern und wuchern“schachern” und “wuchern”

FreimauererFreimaurer

Die Rothschild-VerschwörungDie Rothschild-Verschwörung

KosmopolitismusKosmopolitismus

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