Die Inszenierung

Die Protokolle, auf deren Grundlage die Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof geführt wurde, waren sogenannte „Frage und Antwort“-Protokolle. Diese Methode wurde auf Anregung der sowjetischen Berater hin eingeführt. Sowohl die Fragen des Gerichts als auch die Aussagen der Angeklagten und Zeugen waren so im Vorhinein bereits Wort für Wort festgelegt worden.

Die Inszenierung vor Gericht blieb jedoch mittelmäßig. Die Angeklagten hatten zwar nur sehr wenig Spielraum, nutzen diesen aber, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Das wohl am häufigsten verwandte Mittel war es, auf die Fragen des Gerichts bereits zu antworten, bevor sie ganz ausgeprochen worden waren. Aber auch Ironie, Sarkasmus und Abweichungen vom Wortlaut des Protokolls kamen häufig vor, ebenso wie das Aussprechen von Satzzeichen. Das später als Buch herausgegebene Protokoll des Prozesses wurde von diesen Stellen bereinigt.

Die Filmaufnahmen des Prozesse wurden sorgfältig geplant. Aufgrund des großen Erfolgs der Kino-Wochenschauen zu einem vorangegangen Prozess gegen Vertreter der katholischen Kirche waren sich die Zuständigen in der Kommission beim Innenministerium einig, dass Filmaufnahmen eine Möglichkeit der Propaganda boten, die sie nicht ungenutzt lassen wollten. Es sollte unter Mitarbeit von Fachleuten verschiedener Theater ein abendfüllender Dokumentationsfilm entstehen, der sicherstellte, dass eventuelle Abweichungen vom Skript nicht in die Öffentlichkeit außerhalb des Gerichtssaals gelangten, aber diejenigen überzeugte, die noch zweifelten.(1) Schließlich entschied man sich aber doch, nur sorgfältig ausgewählte Ausschnitte zu zeigen, denn die Inszenierungsabsicht wurde durch viele kleine Fehler, Abweichungen und das Verhalten der Angeklagten allzu offensichtlich.(2)

Antonie KleinerováAntonie Kleinerová

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