Im Publikum: westliche Beobachter

Der dritte Moskauer Schauprozess fand, wie auch schon die beiden Vorgängerprozesse, öffentlich statt. Der Zugang zum Saal unterlag jedoch strengen Kriterien. Um Einlass zu erhalten, benötigte man eine Eintrittskarte und hatte vor Beginn der Verhandlung bis zu drei Einlasskontrollen zu durchlaufen, bevor man den Oktobersaal betreten konnte.

Insgesamt setzte sich das Publikum aus verschiedenen Gruppen zusammen. Neben sowjetischen Bürgern, in der Regel handverlesene Fabrikarbeiter oder Regierungsangestellte, die als Multiplikatoren fungieren sollten, um daheim beispielsweise in der Fabrik im Sinne der Staatsführung zu berichten, waren auch einige ausländische Beobachter zugelassen. Dem Bucharin-Prozess wohnten daher unter anderem auch Vertreter ausländischer Botschaften (vom Botschafter höchst selbst bis zum einfachen Botschaftsangestellten) und ausländische Korrespondenten bei. Eine offizielle Simultanübersetzung für jene Prozessbeobachter, die des Russischen nicht mächtig waren, war nicht vorgesehen. Während einige der westlichen Prozessbeobachter – wie der für die Londoner Times vom Prozess berichtende Journalist Walter Duranty oder der amerikanische Botschaftsangestellte Charles E. Bohlen – dadurch nicht vor größeren Schwierigkeiten standen, weil sie beide der Sprache mächtig waren, sahen sich wiederum andere Prozessteilnehmer vor gewisse Herausforderungen gestellt. So war der amerikanische Botschafter Joseph E. Davies, ebenso wie der französische Botschafter Robert Coulondre, auf Übersetzungshilfe angewiesen: Während der französische Botschafter eine Russisch sprechende Sekretärin zur Seite gestellt bekam, war sein amerikanischer Kollege auf improvisierte Hilfe von seinen Sitznachbarn angewiesen.

Die westlichen Korrespondenten berichteten in der Regel für bekannte überregionale Zeitungen mit großen Auflagen, wie zum Beispiel die Londoner Times, die New York Times oder den Chicago Tribune. Auch wenn sich die genaue Anzahl der westlichen Journalisten, die das Geschehen vor Ort verfolgten, aufgrund der schwierigen Quellenlage nicht exakt bestimmen lässt, kann es als sicher gelten, dass mindestens rund ein Dutzend von den sowjetischen Behörden zugelassen wurde. Über den genauen Ablauf der Akkreditierung ist bislang leider wenig bekannt. Die Korrespondenten aus dem westlichen Ausland saßen in einem für die Presse reservierten Bereich im Saal. Ihre Beiträge übermittelten sie an ihre Redaktionen. Die entsprechenden Artikel, die sich neben eigenen Eindrücken auch auf die Berichterstattung der offiziellen sowjetischen Zeitungen, wie der Pravda oder der Izvestja stützten, erschienen dann häufig in der nächsten Tagesausgabe.

PlatzhalterJoseph E. Davies

NY TimesNY Times

The Moscow LessonThe Moscow Lesson

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