Protagonisten


Anders als in späteren Schauprozessen waren die Angeklagten in zwei Gruppen unterteilt.

Die erste Gruppe umfasste 22 Personen, davon zwölf Mitglieder des ZK. Für diese Angeklagten stand nicht die juristische, sondern die politische Seite im Mittelpunkt. Nicht das Gericht, nur die Arbeiterklasse und ihre Partei dürfe sie richten. Diese Gruppe sah die Inszenierung des Prozesses als Chance, die „konterrevolutionäre“ Politik der Bolschewiki zu entlarven und legte kein Geständnis ab.

Die zweite Gruppe bestand aus zwölf Angeklagten, unter ihnen Lidia V. Konopleva und Grigorij I. Semenov. Beide traten 1921 in die Partei der Bolschewiki (RKP/b) ein. Allen Angeklagten dieser Gruppe war gemeinsam, dass sie Geständnisse ablegten. Ihre zehn Verteidiger waren keine Juristen sondern Politiker wie Nikolaj. I. Bucharin und Michail P. Tomskij. Sie alle äußerten sich gegen die Verteidiger der ersten Gruppe und nannten diese Feinde der Revolution und des Proletariats.

Auf der Richterbank saß der später – im dritten Moskauer Schauprozess – verurteilte Georgij L. Pjatakov als Vorsitzender. Als Staatsanwälte fungierten neben Nikolaj V. Krylenko der Volkskommissar für Bildung Anatolij V. Lunačarskij und dessen Stellvertreter Michail N. Pokrovskij sowie die deutsche Kommunistin Clara Zetkin, der tschechische Kommunist Alois Muna und aus Ungarn der Sozialdemokrat Dezső Bokányi. Richter wie Staatsanwaltschaft, fokussierten nicht auf offenkundige Taten der Angeklagten, sondern auf die ideologische Plattform der PSR, auf umstrittene Zeugenaussagen und Geständnisse anderer Beschuldigter.

Die Verteidigung der ersten Gruppe übernahmen – zusammen mit russischen Anwälten – vier ausländische Sozialisten, zugleich Juristen: die Belgier Emile Vanderwelde und Arthur Wauters sowie aus Deutschland Theodor Liebknecht und Kurt Rosenfeld. Die Verteidiger arbeiteten unter schwierigen Verhältnissen, ihre Arbeit wurde von Anfang an behindert. Nach der ersten Woche waren die ausländischen Anwälte überzeugt, dass ihre Präsenz sinnlos sei und der Prozess selbst eher ein Theaterstück, eine „Farse“(1). Am 14 Juni gaben sie auf, konnten Russland aber erst nach einem 24-stündigen Hungerstreik verlassen.

Angeklagte und VerteidigerAngeklagte und Verteidiger

Das TribunalDas Tribunal

Avram GocAvram Goc

Georgij L. PjatakovGeorgij L. Pjatakov

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