Schauprozesse in der Sowjetunion

In der Sowjetunion fanden Schauprozesse nicht erst in den 1930er Jahren statt. Das Tribunal, das 1922 gegen die Sozialrevolutionäre in Szene gesetzt wurde, kann als Vorläufer für die drei Moskauer Prozesse betrachtet werden. Schon damals wurden die Urteile von der politischen Führung gefällt, wirkten außergerichtliche Ereignisse – etwa Demonstrationen – auf das Verfahren ein. Der erste der berüchtigten Moskauer Schauprozesse fand vom 19. bis 24. August 1936 in Moskau statt und richtete sich gegen das sogenannte „trotzkistisch-sinowjewistische terroristische Zentrum“, unter den Verurteilten waren u.a. Grigorij E.Zinov’ev und Lev B. Kamenev. Der zweite Schauprozess dauerte vom 23. bis 30. Januar 1937. In ihm wurde das sogenannte „sowjetfeindliche trotzkistische Zentrum“ aufgedeckt. Als Hauptangeklagte saßen damals auf der Anklagebank Georgij L. Pjatakov, im Prozess von 1922 selbst noch in der Richterrolle, sowie Karl Radek. Der letzte und größte Prozess „gegen den Block der Rechten und Trotzkisten“ wurde unter anderem gegen Nikolaj I. Bucharin, Alexej.I. Rykov und Nikolaj N. Krestinskij geführt.

Allen Prozessen lag die gleiche inszenierte Anklage einer Verschwörung zum Sturz der Sowjetunion zugrunde. Beschuldigt wurden die Angeklagten – und als ihr Mastermind Trotzki – der Sabotage und Spionage. Die Prozesse waren politischer Natur und folgten einem von Stalin persönlich redigierten Drehbuch. Die Verurteilung der Angeklagten standen im Voraus fest und stützte sich einzig auf deren Geständnisse. Die Gerichtsverhandlung hatte somit in erster Linie propagandistische Zwecke. Die gesamten Völker der Sowjetunion sowie die westliche Öffentlichkeit wurden durch die Medialisierung der Prozesse einbezogen. Das Fehlen jeglicher Beweise und die Berufung auf das Geständnis der Angeklagten waren symptomatisch für diese Art der Prozessführung. Die Idee der steten Wachsamkeit gegen innere und äußere Feinde wurde durch die Prozesse und die sie begleitenden Kampagnen in steter Wiederholung propagiert. Nur die permanente Wachsamkeit und unbedingte Denunziation, so wurde suggeriert, könne Schutz vor Verschwörungen bieten. Ein mit den westlichen, sowjetfeindlichen, faschistischen Kräften kooperierender Trotzkist konnte der Theorie nach mit Ausnahme von Stalin jeder sein. So wurde eine Atmosphäre des Argwohns und der Verdächtigungen erzeugt.

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