Das Projekt

Die Online-Präsentation ist Ergebnis eines Projektseminars an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Angesiedelt am Institut für Geschichtswissenschaften haben Bachelor- und Masterstudierende über zwei Semester hieran gearbeitet. In der ersten Phase, im Wintersemester 2014/15, hatte sich eine fünfköpfige Gruppe vorgenommen, ein Konzept und geeignetes Format für dieses Projekt zu entwickeln sowie Materialien zu sichten. Für drei Staaten des Sozialistischen Lagers – Ungarn, die Tschechoslowakei und die DDR – wurden zunächst sechs Schauprozesse ausgewählt und die Möglichkeiten einer forschungsorientierten Erarbeitung für eine dann größere Gruppe ausgelotet. Die Studierenden dieser ersten Gruppe (später Tutoren) haben dazu in ungarischen und tschechischen Bibliotheken und Archiven recherchiert, im Fall der DDR-Prozesse im Bundesarchiv sowie beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Ergänzt wurde dieser Länderbezug durch einen Querschnittsbereich „Westliche Rezeption“, bezogen auf alle Fallbeispiele. In der zweiten Phase, im Sommersemester 2015, arbeiteten insgesamt 19 Studierende in fünf Arbeitsgruppen unter der Leitung der Tutoren zusammen. Eine sechste Arbeitsgruppe „Sowjetunion“ entstand durch einen Austausch mit dem von Prof. Beate Fieseler geleiteten Hauptseminar über die „Moskauer Schauprozesse“.

Osteuropäische oder auch stalinistische Schauprozesse sind Gegenstand ganz verschiedener Wissenschaftsdisziplinen geworden. Lange kamen entscheidende Impulse aus den Forschungen zu Opfern, später Tätern, und mit Blick auf die politische Vorgeschichte. Die hier vorgestellte Fragestellung an das Phänomen geht davon aus, dass Schauprozesse weniger juristische Verfahren als mediale Ereignisse sind. Damit rückt zunächst der Gerichtssaal als Ort, als Bühne auch im ganz realen Sinn in den Fokus. Über die Inszenierung und Aufführung hinaus umfasst die Fragestellung aber auch die (massenmediale) Vermittlung der Prozesse an eine Öffentlichkeit außerhalb des Gerichtssaals. Die politischen Führungen mussten dazu nach Strategien der Medialisierung und nach geeigneten Medien suchen. Diesem komplexen Forschungsgegenstand hat sich das Projektseminar anhand der Medienprodukte genähert.

Es geht insofern um die „Schau“ in Schauprozessen: Auf der Grundlage von Fallbeispielen präsentiert die Online-Ausstellung Aspekte der Inszenierung und Medialisierung dieser Form der politischen Justiz. Gezeigt werden Exponate – Bilder, Karikaturen, Zeitungsartikel, Audio- und Videosequenzen sowie Auszüge aus den Prozessprotokollen und anderen Publikationen – zu zehn Prozessen aus vier Staaten: aus der Sowjetunion der 1920er und 30er Jahre sowie aus drei Staaten des Sozialistischen Lagers in der Frühphase des Kalten Krieges.

Dr. Ute Caumanns

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