Die Inszenierung

Die Vermittlung der Prozessinhalte erfolgte nicht nur über die Medien. Ein wichtigstes Element war die Inszenierung des Verfahrens vor Ort, angefangen beim Transport der Angeklagten, die täglich unter massiver Polizeipräsenz zum Verhandlungsort eskortiert wurden.(1) Auch im Gerichtssaal saß hinter jedem Angeklagten ein Volkspolizist zu dessen Bewachung. Dies sollte die vermeintlichen Saboteure und die von ihnen ausgehende Gefahr zur Schau stellen und trug zu der Vorverurteilung der Angeklagten bei.

Auch die Auswahl des Verhandlungsortes spielte eine wichtige Rolle. So wurde die Verhandlung nicht in einem Gerichtssaal, sondern im Dessauer Landestheater geführt. Dadurch konnte eine große Zahl an Zuschauern – circa 1.200 – dem Prozess beiwohnen. Der Großteil des Publikums setzte sich aus täglich wechselnden Delegationen aus Betrieben der gesamten DDR zusammen, die als Multiplikatoren fungieren sollten.(2) Über den bisherigen Verlauf informierten Handzettel, die täglich vor Verhandlungsbeginn verteilt wurden.

Der Prozess selbst fand auf der Bühne des Theaters statt: links die von einer Balustrade umfasste Anklagebank, die von Verteidigern und Polizisten flankiert wurde. Mittig der Bühne war ein Podest aufgebaut, auf dem sich die Richter und die Staatsanwälte befanden. Die Vorsitzende Benjamin saß mittig, dem Publikum zugewandt. Rechts von ihr, am selben Tisch, saß Generalstaatsanwalt Melsheimer, der in Richtung der Angeklagten blickte.

Hinter dem Richtertisch war ein sieben mal elf Meter großes Schaubild angebracht,(3) welches die Verflechtung der DCGG in einzelne Ostkonzerne und die Verbindung zum Westen darstellte. Die einzelnen Verbindungen bestanden aus Neonröhren, die auf Wunsch aufleuchten konnten. Dabei diente das Schaubild keineswegs dazu, die Vorgänge verständlicher zu machen, es sollte vielmehr die Undurchschaubarkeit des Monopolkapitalismus demonstrieren.(4) Damit setzten Inszenierung und Bühnenbild ganz den im Vorfeld an den Prozess gestellten Auftrag um.

Blick auf die Bühne
Die Bühne
Blick auf die Anklagebank
Die Anklagebank

Erinnerungen an den Prozess: Willi Brundert zur täglichen Überführung in den Gerichtssaal
Erinnerungen von Willi Brundert

Erinnerungen an den Prozess: Hilde Benjamin zum Schaubild
Erinnerungen von Hilde Benjamin

Tägliches Informationsblatt
Tägliches Informationsblatt

Bedeutung des Schaubildes
Bedeutung des Schaubildes

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