Der Auftrag

In einem Protokoll des Politbüros der SED vom 28. Februar 1950 findet sich ein Beschluss, in dem festgelegt wurde, dass der Prozess aufzeigen soll, wie der Monopolkapitalismus mithilfe inländischer Agenten Zersetzungsarbeit in der DDR leiste. Damit war dem Verfahren eine klare Marschroute vorgegeben.

Konkret wurde dies umgesetzt, indem sowohl in der Berichterstattung als auch im Prozess selbst wiederholt auf die Hintermänner im Westen hingewiesen wurde: namentlich Eduard Schalfejew, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, und W. Averell Harriman, der US-Beauftragte für den Marshall-Plan. Schalfejew war zu Zeiten des Dritten Reiches als Direktor der Deutschen Continental Gasgesellschaft (DCGG) tätig gewesen, sodass sich diese Verbindung anbot. Dagegen wurde die Verstrickung Harrimans durch eine Reihe von Firmenbeteiligungen aufwendig konstruiert. Da beide Vertreter ihrer jeweiligen Regierungen waren, erscheinen USA und BRD als die wahren Drahtzieher. Die Verbindung zur britischen Regierung wurde über den Angeklagten Brundert hergestellt, welcher angeblich während seiner englischen Kriegsgefangenschaft zum monokapitalistischen Agenten geschult worden war. Ziel der Sabotage sei es gewesen, den friedlich-demokratischen Aufbau der DDR zu behindern und einen weiteren Weltkrieg vorzubereiten.

Daraus wird ersichtlich, dass der Prozess nicht zur Feststellung der Schuldfrage diente, sondern der eigenen Bevölkerung propagandistische Botschaften über den Westen vermitteln sollte. Die vermeintliche Schuld der Angeklagten als Handlanger des Monopolkapitals stand schon vor Prozessbeginn fest.

Beschluss der SED zur ProzessführungBeschluss der SED zur Prozessführung

Generalstaatsanwalt Melsheimer präsentiert den 'Drahtzieher' HarrimanDer “Drahtzieher” Harriman

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