Planung und Konzeption

Der Höhepunkt der justiziellen Aufarbeitung des 17. Juni 1953 fand vor dem Jahrestag der Demonstrationen am Obersten Gericht der DDR vom 10. Juni bis zum 14. Juni 1954 statt. In der Anklage wurde auf das Narrativ der „faschistischen Provokation“ zurückgegriffen, welches in zahlreichen vorherigen Prozessen gegen die vermeintlichen „Putschisten“ in der DDR verwendet wurde.

Der Prozess wurde – wie der Operativplan und Organisationsplan zeigen – vom Politbüro der SED initiiert und von der Stasi geplant und ausgeführt. Um Regieanweisungen zu geben, traf sich der Generalstaatsanwalt Ernst Melsheimer mit Vertretern des Politbüros und der Stasi. Als Richter fungierte der Präsident des Obersten Gerichts, der 46-jährige Volljurist Kurt Schumann. In sowjetischer Kriegsgefangenschaft war er Mitbegründer des Bundes Deutscher Offiziere, einer sowjetischen Initiative zum Aufbau einer Anti-Hitler-Opposition in der Wehrmacht. Die Beisitzenden Richter waren „Volksrichterin“ Helene Kleiner sowie Oberrichter Dr. Heinrich Löwenthal. Die Anklage setze sich aus Generalstaatsanwalt Ernst Melsheimer und Staatsanwalt Piel zusammen.

Alle Genannten waren Mitglieder der SED.(1) Als Zeugen hatte das Gericht den Stasimitarbeiter Günter Eckstein sowie weitere Personen geladen. Das Publikum bestand aus unterschiedlichen Gruppen: Staatsanwaltsanwärter, Teilnehmer der Demonstrationen des 17. Juni, Vertreter aus Presse – mit Ausnahme der westlichen Presse – sowie Rundfunk und Wochenschau. Auch Ehrengäste wie Hilde Benjamin und Vertreter der Sowjetischen Militäradministration aus Karlshorst waren geladen. Die Zahl der Beobachter insgesamt ist nicht bekannt.

Dass es sich beim Prozess um eine Inszenierung handelt, zeigt sich auch im Gerichtssaal selbst. Dort sprangen nämlich die Staatsanwälte oftmals als Souffleur ein, wenn die Angeklagten bei ihrer Aussage nicht mehr weiter wussten. Dies wurde zum Beispiel deutlich im Verhör von Wolfgang Silgradt.(2)

Operativplan der StaatssicherheitOperativplan der StaSi

Organisationsplan der StaatssicherheitOrganisationsplan der StaSi

Organigramm der Kontakte von Werner MangelsdorfDas Agentennetz

Der 'Zeuge' Günther Eckstein“Zeuge” Günther Eckstein

Der Forschungsbeirat“Der Forschungsbeirat

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