Der 17. Juni aus Sicht der DDR

Schon am Vorabend des 17. Juni 1953 bezeichnete das Politbüro die Demonstranten in einem Beschluss als „feindliche Provokateure“. Als Verursacher des Aufstandes sahen dessen Verfasser in „Westberlin sitzende Urheber“, welche die „Verständigungsbewegung unter den Deutschen“ sabotierten, indem sie Arbeiter „vor ihre Kriegskarren“ spannten. Konstruiert wurde eine „Agententhese“, der zufolge imperialistische Mächte mit eingeschleusten Agenten den Aufstand angestiftet hätten. Vermutlich wurde diese propagandistische Richtlinie am Abend des 17. Juni noch einmal mit der sowjetischen Militäradministration in Berlin Karlshorst abgestimmt.(1) Wenige Tage später am 21. Juni 1953 nahm das Zentralkomitee der Partei in einer Erklärung eine erste Deutung der Geschehnisse vor. In dieser wurde „der 17. Juni“ als gescheiterter „Tag X“ bezeichnet.(2)

Die Bezeichnung „Tag X“ geht auf Jakob Kaiser, den Bonner Minister für Gesamtdeutsche Fragen zurück. Kaiser hatte diesen Begriff in einer Rede anlässlich der Gründung des sogenannten Forschungsbeirates für die Fragen der Wiedervereinigung verwendet. Er bezeichnet mit „Tag X“ einen möglichen Tag der Wiedervereinigung Deutschlands mit freien Wahlen.(3) Die DDR-Propaganda deutete diesen Begriff um. In ihrer Darstellung beschrieb der „Tag X“ eine Okkupation der DDR durch die BRD, die am 17. Juni stattfinden sollte. Was Jakob gemeint hatte, eine ohne demokratische Wiedervereinigung ohne militärische Intervention, wurde damit entkontextualisiert und umgedeutet. Nur mit Hilfe der sowjetischen „Freunde“ habe, so die offizielle Version, der „Putsch‘“ verhindert werden können.

Broschüre zum 'Tag X'“Der Tag X”

Broschüre 'Wer zog die Drähte?'“Wer zog die Drähte?”

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