Der Prozess gegen die Hintermänner des 17. Juni

Im Aufstand des 17. Juni entlud sich der Unmut der ostdeutschen Bevölkerung über die Sowjetisierungsvorhaben der politischen Führung sowie Versorgungsengpässe, die in Folge von Missernten und Enteignung von Bauern aufgetreten waren. Bereits am 16. Juni 1953 begannen Proteste von Berlin ausgehend. Die Nachricht der Unruhen verbreitete sich schnell in der gesamten DDR. Besonders der in Westberlin ansässige Radiosender RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) trug mit seiner Berichterstattung über die Ereignisse zur Mobilisierung von Teilen der DDR-Bevölkerung bei. Aus dem kleinen Protestzug wurde ein immer größerer Ausstand mit der Forderung, die zuvor eingeführte Erhöhung der Arbeitsleistungen ohne Lohnausgleich wieder zurückzunehmen. Vor allem in den Großstädten kam es zu Massenprotesten, die sich darüber hinaus gegen die von Moskau vorgegebene Politik der Sowjetisierung und die konkreten Engpässe in der Versorgung richteten. Am 17. Juni weiteten sich die Proteste zu einem Generalstreik aus. Im Zuge des Aufstandes kam es außerdem zur Befreiung von politischen Häftlingen.In Reaktionismus verfallen, führte die DDR-Justiz schon am 25. Juli 1953 einen ersten Schauprozess durch, gegen die in der ostdeutschen Kleinstadt Niesky festgenommenen „Rädelsführer“. Dabei kam die von der Partei vorformulierte Sprache zur Anwendung: Das spontane Aufbegehren der Bevölkerung wurde als „faschistischer Putschversuch“ gebrandmarkt.

Im Schauprozess vom Juni 1954 erreichte die Kampagne um den vermeintlichen Putschversuch ihren medialen Höhepunkt. Dortstanden die vier Angeklagten als vermeintliche „Hintermänner“ und „Rädelsführer des Tages X“ vor Gericht. Sie seien, so die offizielle Version, von imperialistischen Geheimdiensten angestiftet worden, um einen neuen Krieg zu entfachen. Kurz vor dem Jahrestag des Aufstandes sollte DDR-Bevölkerung von der vom Westen ausgehenden Gefahr überzeugt werden.

Nur ein Angeklagter des Schauprozesses von 1954, Werner Mangelsdorf, hatte beim Aufstand in Gommern tatsächlich mitgewirkt. Von einer Betriebsversammlung des Volkseigenen Betriebes Geologische Bohrungen aus hatten die Mitarbeiter zum Generalstreik aufgerufen. Mangelsdorf übernahm, laut seines Geständnisses vor Gericht, die Leitung der dortigen Demonstration. Diese sollte zum örtlichen Gefängnis, dem „Zwiebelturm“, führen. Dort angelangt sollten alle Häftlinge von den Wärtern befreit werden, als das nicht geschah, brachen die Demonstranten die Zellen selbst auf und befreiten die Häftlinge.

Die Angeklagten vom  25. Juni 1953Die Angeklagten

Demonstration durch das Brandenburger TorDemonstration durch das Brandenburger Tor

Sowjetische Panzer in LeipzigSowjetische Panzer in Leipzig

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