DDR

Die beiden vorgestellten DDR-Schauprozesse – gegen die „Saboteure von Dessau“ und die „Hintermänner“ des 17. Juni (1954) – wurden vor dem Obersten Gerichtshof der DDR geführt und waren mediale Großereignisse. Die inszenierten Verfahren wurden durch eine ausgiebige Berichterstattung in Zeitungen, Rundfunk und Wochenschau begleitet.

Der Dessauer Prozess hatte die angebliche „Sabotage“ der DDR-Wirtschaft während der entschädigungslosen Enteignung der Deutschen Continental Gasgesellschaft zum Gegenstand. Das Verfahren von 1954 wurde gegen die vermeintlichen „Hintermänner“ des Aufstandes vom 17. Juni 1953 geführt. Gemein ist ihnen, dass die Prozesse eine westliche Drahtzieherschaft der angeklagten „Verbrechen“ konstruierten: US-amerikanische und westdeutsche Kapitalisten hätten sich mit subversiven Kräften im Inneren gegen die DDR und den Sozialismus insgesamt verschworen. Beide Verfahren sind damit Ausdruck für die innenpolitischen Herausforderungen ihrer Zeit – den Aufbau einer Volkseigenen Wirtschaft und die Umdeutung des Aufstandes zur Absicherung der SED-Herrschaft – sowie für die ideologische Konfliktlinie des Kalten Krieges. Mit beiden Schauprozessen wollte die kommunistische Führung, im Gerichtssaal wie außerhalb, der ostdeutschen Bevölkerung ihre Sicht auf die konkreten Ereignisse und die globalen Zusammenhängen vermitteln.

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